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Zusatzrente dank Hausverschuldung

28-12-2006           



Was tun, um seine Rente im Alter aufzubessern?
Spanische Banken locken Senioren mit einem neuen Angebot für die Zusatzrente.
Foto: Sanchez


Immer mehr Senioren kommen mit den monatlichen Beträgen auf dem Bankkonto nicht mehr über die Runden. Trotz finanzieller Not aber werden die betroffenen Ruheständler nicht als arm eingestuft, wenn sie eine abbezahlte Immobilie besitzen.

Von Janette Vehse


Banken und Sparkassen in Spanien versuchen seit einiger Zeit, das Geschäftsfeld ýSenioren" neu zu entdecken und das ýtote" Immobilienkapital zu aktivieren. Nun wird mit staatlicher Rückendeckung ein Produkt auf den Markt geworfen, das von Experten als durchweg positiv bewertet wird: die Seniorenhypothek (Hipoteca inversa). Der in die Jahre gekommene Immobilieneigentümer belastet sein Haus mit einer Hypothek und erhält dafür eine monatliche Rente.

Das Darlehen kann für einen begrenzten Zeitraum von 10 bis 20 Jahren (limitado) oder bis zum Tod des Kreditnehmers (vitalicio) aufgenommen werden. ýIm letztgenannten Fall wird bei Vertragsschluss eine Versicherung abgeschlossen, welche die Fortzahlung der Rente über einen bestimmten Zeitpunkt hinaus garantiert", erklärt der spanische Rechtsanwalt José Cabrera.

In England und den USA hat sich das Modell bereits durchgesetzt, in Deutschland hat es dagegen wenig Anklang gefunden. Zu fremd scheint der Gedanke, am Ende seines Lebens den Nachkommen nichts zurückzulassen als eine überschuldete Immobilie. Im englischsprachigen Raum ist denn auch das Buch ýDie broke" (Stirb bankrott) zum Bestseller geworden, während es ins Deutsche nicht einmal übersetzt wurde.

Wie aber geht man am besten bankrott, ohne noch zu Lebzeiten mittellos dazustehen? Wer die Seniorenhypothek für einen begrenzten Zeitraum abschließt, muss - wenn diese Zeitspanne überlebt wird - am Ende seiner Tage ohne die Zusatzrente der Bank auskommen. ýDie Zahlungen werden dann einfach eingestellt", warnt der Finanzexperte Harald Wolff.

Der Darlehensnehmer muss dabei nicht fürchten, aus dem Haus ausziehen zu müssen: Hier will der Gesetzgeber vorsorgen und einen Schutz in das neue Hypothekengesetz einbauen, das Anfang 2007 in Kraft treten soll und auch die Hipoteca inversa regelt. Nach dem aktuellen Gesetzesprojekt wird dem Rentner ein Nießbrauchrecht an der Immobilie eingeräumt, sodass er selbst im schlimmsten Fall nicht ausziehen muss.

Doch es gilt zu bedenken, dass sich zuvor der Lebensstandard an die Zusatzeinnahmen angepasst hat und es eventuell schwer sein könnte, die eigene Lebenssituation an die geringeren Einnahmen anzupassen.

Wer daher ganz auf Nummer sicher gehen möchte, vereinbart eine lebenslange Rente mit der Bank. Während eines fest vereinbarten Zeitraums wird die monatliche Auszahlung durch die Hypothek finanziert. Danach springt im Überlebensfalle eine Versicherung ein.

Doch diese Sicherheit kostet Geld: Bei Vertragsabschluss werden für die Versicherung meist mehr als 20.000 Euro fällig. Diese Kosten wie auch alle weiteren Unkosten (Notar, Beurkundungssteuer) kann der Darlehensnehmer auf Wunsch in die Hypothek einbringen. Dann verringert sich die Höhe der Monatsraten entsprechend.

Die Höhe der monatlichen Ausschüttung hängt aber nicht nur davon ab, ob man eine lebenslange oder begrenzte Hypothek aufnimmt. Entscheidend ist auch die Lebenserwartung: Die Summe verringert sich, je länger der Darlehensnehmer voraussichtlich lebt. Daher erhalten Frauen monatlich grundsätzlich weniger Geld als Männer.

Auch der Marktwert der Immobilie ist für die Berechnung der Auszahlungssumme wichtig. Ein von der Bank bestellter Experte schätzt den Wert des Hauses. Viele Banken setzen das Limit von 660.000 Euro, auch wenn die Immobilie mehr als das Doppelte wert ist. ýHier sollte der Eigentümer bei Vertragsschluss ausloten, ob er nach Ausreizen dieses Limits erneut eine Hypothek aufnehmen kann", so Harald Wolff.

Es sei wichtig, sich im Vorfeld genau über alle Möglichkeiten zu informieren, die das Kreditinstitut bietet, so Wolff. Darunter fallen auch die verschiedenen Auszahlungsmodalitäten: Viele Banken bieten die Möglichkeit, 20 Prozent des Schätzwertes auf einmal auszuzahlen. Es gibt auch Modalitäten, die eine höhere Auszahlung zwischendurch erlauben, etwa weil ein neuer Fernseher angeschafft werden muss. ýGrundsätzlich gilt: Je flexibler der Vertrag, desto besser", sagt Rechtsanwalt Cabrera.

Experten schätzen die Seniorenhypothek grundsätzlich als gute Sache ein. ýAuch wenn der Hypothekenzins mit rund 6 Prozent etwas höher ist, so hat der Rentner doch eine Chance auf ein angenehmeres Leben", meint Harald Wolff. Der große Vorteil sei, dass die Auszahlungen absolut steuerfrei seien, so Cabrera. Mit dem Geld könne man zum Beispiel seine Kinder unterstützen, wenn man es selbst nicht braucht. ýAndernfalls erben die Kinder mit 50 bis 60 Jahren, also dann, wenn sie selbst es meist nicht mehr nötig haben."

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Seniorenhypothek ist, dass die Erbschaftssteuer auf Grund der Belastung der Immobilie gesenkt wird. Verstirbt der Darlehensnehmer, so können die Erben entweder die Schuld bei der Bank abzahlen (eventuell durch Aufnahme einer anders gestalteten Hypothek) oder sie können das Haus verkaufen.


HAUSBELEIHUNG
ANLAGEMODELL MIT NEBENWIRKUNG
Von der hier vorgestellten Seniorenhypothek sind Modelle zu unterscheiden, in denen das frei werdende Kapital gewinnbringend angelegt werden soll (Equity release). Experten halten diese Modelle aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten für fragwürdig. Der spanische Rechtsanwalt Thomas Herrera warnt vor dem hohen Risiko des Zinsdifferenzgeschäfts: ýDas angelegte Geld muss mehr einbringen, als die Hypothek an Kosten verursacht." Sinkt der Ertrag aus der Anlage, könne die Forderung der Bank (Hypothekenzinsen und Tilgung) möglicherweise nicht mehr bedient werden. ýSchlimmstenfalls verliert der Anleger sein Haus."

Außerdem sehen einige Anlagemodelle vor, das Geld aus der Hypothek in Drittstaaten außerhalb der EU zu schaffen - und das ohne Kenntnis der Behörden. Dadurch würde die weiße Villa in schwarzes Geld verwandelt. ýDie nächste Generation hat dann das Problem, wie sie das Schwarzgeld zurückführt und die Immobilie schuldenfrei wird", so der Rechtsanwalt Dr. Burckhardt Löber. Auch der die Erbschaftssteuer mindernde Effekt dieses Modells wird von Experten bezweifelt.



PFLEGE IN SPANIEN
Sachleistungen werden Auslandsdeutschen nicht gewährt
Von Rici Herlan

Jeder ältere Mensch muss damit rechnen, plötzlich und unerwartet oder langsam und allmählich zum Pflegefall zu werden. Der Gedanke wird von den meisten Menschen verdrängt, bis die Realität nicht mehr zu ignorieren ist. Deshalb gehen viele unvorbereitet in die Pflegesituation hinein.

Wer in Spanien pflegebedürftig wird, muss sich mit seinem Schicksal abfinden - vom Staat kann er nur wenig Hilfe erwarten. Zwar will die spanische Regierung 2007 erstmals die Pflegeversicherung einführen, ein System, das bis zum Jahr 2015 schrittweise umgesetzt werden soll. Doch in den ersten Jahren nach der Einführung sollen vorerst nur die schwersten Pflegefälle Leistungen beziehen können. Ob Residenten einmal in den Genuss dieses Pflegesystems kommen können, muss mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Der deutsche Staat zahlt den bei ihm versicherten pflegebedürftigen Personen im Ausland zwar Pflegegeld, finanziert aber nicht die Sachleistungen wie in Deutschland.

Die Pflegekassen zahlen in Deutschland Sachleistungen bei der häuslichen Pflege im monatlichen Wert von 384 Euro (Stufe 1), 921 Euro (Stufe 2) und 1.432 Euro (Stufe 3) - demnach also höhere Leistungen als beim Pflegegeld. Nachdem Rentner im Ausland seit 2004 den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung leisten, sollten sie ebenfalls Anspruch auf Sachleistungen haben, auch wenn sie im Ausland leben.

Die Verordnung §34 I SGB, wonach der Anspruch auf Sachleistungen gegenüber der Pflegeversicherung ruht, solange sich der Versicherte im Ausland aufhält, ist längst reformbedürftig, anti-europäisch und verstößt schlichtweg gegen den Gleichheitsgrundsatz der EU.

Es ist sinnvoll und kostensparend, die Sachleistungen in der häuslichen Pflege auch im Ausland zu gewähren, denn ältere Menschen, die gezwungenermaßen die Heimreise antreten, landen nicht selten in Pflegeheimen, obwohl das vermeidbar wäre. Das Heim kann keine Lösung sein. Die Heimpflege ist nicht nur teuer, denn sie kostet fünfmal so viel wie die häusliche Pflege, sie ist vor allem unerwünscht. Die schmerzlichste Entscheidung für einen Menschen in seinem Leben ist, in ein Pflegeheim gehen zu müssen.

In einer Stellungnahme an den Peti-
tionsausschuss des Deutschen Bundestages hat der Autor dieser Zeilen anhand eines Beispiels gezeigt, dass pro pflegebedürftigem Rückwanderer jährlich 7.668 Euro einge-spart werden könnten, wenn die Sachleistungen in der häuslichen Pflege auch im Ausland gewährt würden.

Der Autor ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft deutscher Rentner in Spanien, Tel.: 965-83 06 55

SZ vom 21.05.2002) Sie waren jung, schön und ziemlich wohlhabend. Noch ehe 1973 der erste Condor-Ferienflieger landete, ließen sich deutsche Auswanderer auf Mallorca nieder. Ihre Ziele waren klar, ihre Hoffnungen groß: Aussteigen, Urlaub bis ans Ende der Tage machen, zwischen Sonne und Meer alt werden. Die niedrigen Lebenshaltungskosten auf der Mittelmeerinsel versprachen Wohlstand, und ein Ende der guten Zeiten war nicht in Sicht.

Teure Aussichten

Die Vorstellung vom Inselparadies scheint ungebrochen zu sein, noch immer prägt das Bild vom schönen Mallorca Seifenopern und Dokumentationen. Doch zu viel Sonne blendet. Gerade in den vergangenen beiden Jahren hat die spanische Mittelmeerinsel als Paradies für jedermann an Glanz verloren. Lebensmittel werden von Jahr zu Jahr teurer, die Mietpreise haben deutsches Niveau erreicht, 13 Euro Miete der Quadratmeter sind üblich in La Palma.

Aussteiger ohne Geld

Diese Entwicklung trifft viele deutsche Auswanderer unvorbereitet. Peter Christian Haucke, deutscher Konsul auf der Insel, schätzt, dass beinahe zehn Prozent der 15.000 deutschen Rentner auf Mallorca unter dem Existenzminimum leben.

Schmales Rentenkonto

Nur etwa 3000 von ihnen sind behördlich gemeldet - aber nur, wer eine „residencia" vorweisen kann, hat in Spanien Anspruch auf staatliche Sozialhilfe. Eine üppige Altersversicherung aus der Heimat fehlt vielen Deutschen auf Mallorca ebenso - wer mit 40 ausgewandert ist, hat nur wenig in deutsche Rentenkassen eingezahlt.

Private Zusatzversicherung für die Krankheit

Ausufernd schlimm wird das alles, zu sozial Gestrandeten werden deutsche Rentner auf Mallorca, wenn zum Alter Krankheiten kommen, gegen die ausreichender Schutz ebenfalls fehlt: Nur eine private Zusatzversicherung zur gesetzlichen Krankenkasse ermöglicht die freie Arztwahl, sichert einen Platz im privaten Krankenhaus und erspart somit lange Wartezeiten und schlechten Service im staatlichen Hospital.

Ambulante Krankenpflege nur für Privatpatienten

„Die spanische Sozialversicherung reicht nicht aus", sagt Bärbel Busch, die vor sechs Jahren den ersten und bisher einzigen ambulanten Krankenpflegedienst der Insel aufbaute. Wer von ihr gepflegt, versorgt oder administrativ beraten werden will, muss Privatpatient sein. In Spanien ist ambulante Krankenpflege nicht als Beruf anerkannt, und deshalb erfasst die Seguridad Social solche Leistungen nicht.

Anspruch aus der Heimat

Mit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs 1998 wurde den in Deutschland versicherten und im europäischen Ausland lebenden Deutschen zumindest der Anspruch auf Pflegegeldzahlungen aus dem Heimatland zugesprochen - Dienstleistungen etwa in Gestalt ambulanter Pflege hingegen erhalten sie anders als in Deutschland nicht.

Das Urteil komme allen zugute, die mehr als 180 Tage im Jahr auf Mallorca leben, sagt Frau Horlitzki von der AOK Servicestelle in La Palma. Aber genug Geld verschafft das Urteil lang nicht allen Rentnern.

Deutsche ohne Anschluss

Ursprünglich wurde die Beratungszentrale der AOK für Urlauber eingerichtet, immer öfter aber müssen die Mitarbeiter Fragen beantworten wie: „Kann ich Resident auf Mallorca werden?" Viele Deutsche sprechen jedoch trotz langjährigen Aufenthalts auf der Insel weder Spanisch noch Catalan oder Mallorquin.

Im Gegensatz zu den Engländern haben sich die deutschen Mallorquiner verhältnismäßig wenig in Clubs oder Vereinen organisiert, um ein soziales Netz gegenseitiger Unterstützung aufzubauen. Bleibt am Ende nur der Gang in eines der Altersheime.

Fünf-Sterne-Altersheim

Die allerdings sind rar auf Mallorca, und sie sind teuer: Gute Betreuung gegen gute Bezahlung bietet etwa das deutsche „Es Castellot" in Santa Ponsa, gewissermaßen das Elitehaus, in dem besonders Betuchte gediegen altern.

Wer in dem Fünf-Sterne-Altersheim aufgenommen werden will, zahlt zunächst eine einmalige Kaution von mindestens 23.000 Euro, die beim Auszug unverzinst erstattet wird. Die monatliche Miete beträgt 1200 Euro. Vollverpflegung, Pflege- und Nebenkosten fallen zusätzlich an.

Überwintern mit TUI und Neckermann

Immer mehr deutsche Rentner entscheiden sich da lieber für den so genannten Langzeiturlaub, jene animierte Form der Überwinterung, die TUI und Neckermann seit Jahren erfolgreich anpreisen.

Zwölf Wochen inklusive Flug und Halbpension in einem Vier-Sterne-Doppelzimmer des Club Mallorquin der TUI gibt es zum Beispiel für 2441 Euro, die Kosten für den angebotenen Spanischkurs nicht eingerechnet. Eine Krankenschwester misst täglich den rund 300 Gästen den Blutdruck. Deren Altersdurchschnitt, so Leiter Martin Gerards, liege bei etwa 70 Jahren.

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